Seitenkopf_GdB

GOLDENE BILD der FRAU 2015

Die GOLDENE BILD der FRAU 2015: Prominente aus Film und Fernsehen unterstützen Preisträgerinnen

HAMBURG / ESSEN, 18.09.2015. Zur Gala der GOLDENEN BILD der FRAU am 29. Oktober 2015 im Hamburger Stage Operettenhaus bekommen die fünf Preisträgerinnen, die von der BILD der FRAU für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt werden, prominente Unterstützung. Über den roten Teppich begleitet Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes die Stuttgarterin Nathalie Schaller, die für ihr humanitäres Modelabel „glimpse“ ausgezeichnet wird. Die Mecklenburgerin Petra Mannfeld, die sich der Landflucht entgegenstellt, kommt an der Seite von Schauspielerin Ursula Karven, Sängerin Anna-Maria Zimmermann begleitet die Düsseldorfer „subvenio“-Gründerin Stefanie Jeske. Die Hamburgerin Patricia Renz, die sich für „Musica Altona“ engagiert, wird von Let’s-Dance-Juror Jorge González unterstützt und Moderatorin Katja Burkard geht Seite an Seite mit Christine Bronner, die für ihre Arbeit für das Ambulante Kinderhospiz München (AKM) mit der GOLDENEN BILD der FRAU geehrt wird.

„Die Prominenten übernehmen für die Gala eine Patenschaft und stehen unseren Preisträgerinnen an dem Abend zur Seite. Sie sind beeindruckt von dem Engagement der Frauen und helfen tatkräftig mit, damit deren Projekte noch mehr Aufmerksamkeit bekommen“, sagt Sandra Immoor, Chefredakteurin der BILD der FRAU. Deutschlands größte Frauenzeitschrift, die zur FUNKE MEDIENGRUPPE gehört, verleiht in diesem Jahr zum 9. Mal die GOLDENE BILD der FRAU.

Jede Preisträgerin bekommt 10.000 Euro Unterstützung für ihr Projekt. Höhepunkt des Galaabends ist die Überreichung des Leserpreises durch Bundesministerin Ursula von der Leyen. Die Gewinnerin erhält zusätzliche 30.000 Euro für ihr Projekt. Bis zum Vorabend sind die über fünfeinhalb Millionen BILD der FRAU-Leserinnen per Telefon und Online-Voting aufgerufen, für eines der Projekte abzustimmen.

Insgesamt 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Fernsehen und Sport werden zu der Gala erwartet, darunter Model Mirja DuMont mit Schauspieler Sky DuMont, die Moderatoren Monica Lierhaus, Birgit Schrowange, Dagmar Berghoff und Hubertus Meyer-Burckhardt, die Schauspieler Katerina Jacob und Dietrich Mattausch, Profi-Tänzerin Motsi Mabuse und Ex-Boxweltmeisterin Regina Halmich. Gastgeber des Abends ist TV-Moderator Kai Pflaume, für den die GOLDENE BILD der FRAU bereits seit neun Jahren eine Herzensangelegenheit ist: „Das Einzigartige an dieser Preisverleihung ist, dass die große Bühne wirklich den Frauen gehört! Die Preisträgerinnen und ihre Projekte sind es, die die GOLDENE BILD der FRAU so bewegend und berührend, eben zu etwas ganz Besonderem machen.“

Die Preisträgerinnen 2015


Die Preisträgerinnen 2015

Deutschlands größte Frauenzeitschrift verleiht zum 9. Mal die GOLDENE BILD der FRAU

ESSEN / HAMBURG, 28.07.2015. Gutes tun! Nicht wegschauen, sondern anpacken und helfen! Das ist das Motto der Preisträgerinnen der GOLDENEN BILD der FRAU. Am 29. Oktober 2015 zeichnet Deutschlands größte Frauenzeitschrift BILD der FRAU, ein Titel der FUNKE MEDIENGRUPPE, zum 9. Mal fünf ganz besondere Frauen aus, die sich ehrenamtlich engagieren. Fünf Alltags-Heldinnen, die ein soziales Problem erkannt haben und mit ihrem eigenen Verein oder Projekt für Verbesserungen kämpfen.

Die festliche Verleihung der GOLDENEN BILD der FRAU findet im Hamburger Stage Operettenhaus vor 500 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Show und Sport statt. Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen wird erneut die Gewinnerin des Leserpreises ehren und das Engagement aller Preisträgerinnen würdigen; TV-Star Kai Pflaume durch den Gala-Abend mit vielen emotionalen Höhepunkten führen.

BILD der FRAU-Chefredakteurin Sandra Immoor: „Das Großartige an der GOLDENEN BILD der FRAU ist, dass hier wirklich den starken Frauen die Bühne gehört. Wir verneigen uns vor denen, die das Land mit ihren tollen Ideen, ihrem Mut, ihrer Nächstenliebe zusammen halten. Und wir sagen Danke.“

Manfred Braun, Geschäftsführer der FUNKE MEDIENGRUPPE: „Starke Frauen, die anpacken, die großen Einsatz für andere Menschen zeigen, das ist genau das, was dieses Land voranbringt. Es ist beeindruckend, wie diese Frauen sich für andere Menschen einsetzen und sich mit ganzem Herzblut ihren Projekten widmen. Wir freuen uns, wenn wir als Mediengruppe die Preisträgerinnen dabei unterstützen können.“

Bundesweite Plakat-Kampagne startet jetzt

Ab heute werden die fünf Preisträgerinnen auch in einer bundesweiten Plakatkampagne unter dem Titel „Starke Frauen, starkes Land“ vorgestellt. Portraitiert wurden sie dafür – wie bereits in den vorangegangenen Jahren – von Star-Fotografin Gabo. Auf mehr als 8300 Citylights und Digitalboards werden die Powerfrauen der GOLDENEN BILD der FRAU in 22 Städten zu sehen sein. Außenwerber WallDecaux hat die Flächen zur Verfügung gestellt: „Mit dieser Plakatkampagne setzten wir ein unübersehbares Signal für mehr Menschlichkeit und Miteinander im Alltag“, begründet Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG, das Engagement seines Unternehmens.

Absatzkopf_Preisträger_GBDF

Alle Preisträgerinnen 2015
in der Übersicht

Preisträgerin Christine Bronner

Preisträgerin Christine Bronner

Christine Bronner (51) gründete ein ambulantes Hospiz

Sie weiß, wie es ist, um ein Kind zu trauern – und hat es geschafft, größte Verzweiflung in Mut und Tatkraft zu verwandeln: Seit 11 Jahren steht die Münchnerin Christine Bronner mit ihrem Team Familien in den schwersten Stunden bei.

„Ihr Kind ist schwer krank.“ „Ihr Kind wird sterben.“ Es gibt keine schlimmeren Sätze für Eltern. „Man hört diese schreckliche Diagnose, auf die man absolut nicht vorbereitet ist, und es fühlt sich an, als würde man plötzlich einem Säbelzahntiger gegenüberstehen“, sagt Christine Bronner. Extremer Stress, Kontrollverlust, Handlungsunfähigkeit lähmen die betroffenen Familien. „Von diesem Zeitpunkt an ist man nur noch mit Überleben beschäftigt.“

Christine Bronner kennt das Gefühl, an die Grenzen dessen zu stoßen, was man ertragen kann: Sie ist fünffache Mutter, nur drei ihrer Kinder leben. Tochter Stefanie kam zu früh zur Welt, schaffte es nicht; Sohn Simon starb, weil er sich im Bauch die Nabelschnur um den Hals gewickelt hatte. Ihre Ehe wäre damals beinahe zerbrochen, sagt Christine Bronner. „Wir waren mit unser Trauer allein.“ Anderen Familien soll es nicht so gehen, haben sie und ihr Mann Florian danach beschlossen – und aus all dem Leid etwas Gutes, etwas Großartiges gemacht.

Im Herbst 2004 stellen sie den größten ambulanten Kinderhospizdienst in Deutschland auf die Beine. Der ist seitdem mit einem Team aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Hebammen, Pflegekräften und 180 speziell ausgebildeten ehrenamtlichen Helfern für Familien mit schwerst- oder unheilbar kranken Kindern da.

So ein Kind ist Lucy (17). Seit ihrem fünften Lebensjahr schreitet die Muskelschwundkrankheit ALS voran, Lucy kann so vieles nicht mehr. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie ist fröhlicher Mittelpunkt der Familie, wird auf ihrem Bett im Wohnzimmer inzwischen ständig beatmet, malt wunderschöne Bilder mit Acrylfarben mit dem Mund, spielt Schach gegen ihren Computer. Und Lucy ist happy, wenn Familienbegleiterin Daniela Kayser (45) kommt, ihr zum Beispiel aus Fantasy-Romanen vorliest.

Daniela, Diplom-Physikerin, ist seit einem Jahr an Lucys Seite, hat selbst zwei Kinder. „Ich wollte einfach etwas tun, und habe Lucy sofort ins Herz geschlossen.“ Einmal die Woche kommt sie jetzt in die Familie – eine Entlastung für Lucys berufstätige Mama Anika Hoffmann, die auch mit Baby Puki (2) alle Hände voll zu tun hat. Darum geht es Christine Bronner auch: Eltern dabei zu unterstützen, ihr schwerstkrankes Kind nach Hause zu holen. Die Münchnerin ist immer für „ihre“ Familien ansprechbar, rund 100 werden zurzeit betreut. Grenzsituationen gemeinsam durchstehen, das schweißt zusammen: Auch mit den Eltern verstorbener Kinder hält sie oft jahrelang Kontakt.

„Nicht das Leben mit Tagen füllen“, sagt Christine Bronner mit Nachdruck, „sondern die Tage mit Leben. Mit Freude und Fröhlichkeit.“ Und dann kommt wieder ihr umwerfendes Lachen.

Spendenkonto:

Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München – AKM
IBAN: DE59 7509 0300 0002 4001 03
Infos: www.kinderhospiz-muenchen.de

Preisträgerin Stefanie Jeske

Preisträgerin Stefanie Jeske

Stefanie Jeske (50) kämpft für Unfallopfer

Jahr für Jahr werden 8,6 Millionen Deutsche Opfer eines Unfalls – und viele danach von der Versicherung im Stich gelassen. Sie bleiben mit Schmerzen, Schulden und Ängsten allein. Der Düsseldorfer Web-Designerin Stefanie Jeske ist das auch passiert – darum hat sie „subvenio e. V.“ gegründet.

Ein einziger Moment kann dein Leben verändern, alles zerstören, was du dir aufgebaut hast – und du kannst nichts dafür. Bei Stefanie Jeske geschieht das am Abend des 29. Dezember 2004: „Ich verließ das Haus, war gerade ein paar Schritte gegangen, als mich ein fremder Hund wie aus dem Nichts umrannte.“

Beim Sturz bricht der Schienbeinkopf, der Außenmeniskus reißt ab, das Gelenk bricht. Sie muss lange ins Krankenhaus, das Knie immer wieder operiert werden, sechs Monate ist sie arbeitsunfähig. Die selbstständige IT-Expertin hat Verdienstausfälle, weiß zwischendrin nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen soll, macht Schulden, verliert Auftraggeber – und irgendwann auch ihren Glauben an die Gerechtigkeit. Denn die Versicherung des Hundehalters zahlt einfach nicht.

„Es sei unbewiesen, dass der Hund mich wirklich umgerannt hat“, sagt Stefanie Jeske, immer noch wütend. Neun Jahre kämpft sie vor Gericht – in dieser Zeit wird ihr Wunsch, anderen Betroffenen zu helfen, immer größer: 2009 gründet sie „subvenio e. V.“ ( = zur Hilfe kommen). Sie startet den Kampf David gegen Goliath. Opfer dürfen nicht noch mal Opfer werden, findet Stefanie Jeske. Dafür trage auch die Politik Verantwortung – oft spricht sie mit Politikern, war schon mehrfach im Justizministerium.

Unzählige Fälle kennt Stefanie Jeske inzwischen, in denen sich die Versicherungskonzerne weigern, Geschädigten das zukommen zu lassen, was ihnen zusteht. In denen Anwälte falsch beraten, Richter kein Recht sprechen, Kassen Therapien verweigern. Die Betroffenen, oft noch unter Schock, sind von all dem völlig überfordert.

„Es gab keine richtige Anlaufstelle für diese verzweifelten Menschen“, sagt Stefanie Jeske. „Das wollte ich ändern.“ Für 60 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr vermittelt sie mit ihrem kleinen Team Fachanwälte und Therapeuten. Viele ehrenamtliche Stunden werden geleistet. Stefanie Jeske unterstützt beim Umgang mit Behörden, setzt Schreiben auf, gibt Rat, schenkt Trost.

„Ohne sie hätte ich wohl schon aufgegeben“, sagt etwa Saida Lamgardi (42), die 2012 einen schweren Autounfall hatte: „Der Fahrer des anderen Wagens war schuld, das haben die Polizisten vor Ort bestätigt und ich hatte auch zwei Zeugen.“ Trotzdem weigert sich die gegnerische Versicherung zu zahlen. „Und weil ich so lange krankgeschrieben war, wurde mein befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert. Meine beiden Kinder und ich leben im Moment von Hartz IV. Wir sind am Existenzminimum – von hier auf jetzt.“

Bei Stefanie Jeske fand die zweifache Mutter Halt. „Viele Betroffene verlieren ihr soziales Umfeld, oft wenden sich sogar Freunde ab, weil sie nicht die immer gleiche Geschichte hören wollen. Und vielen wird auch noch unterstellt, sie wollten sich Leistungen erschleichen.“

All das kennt Stefanie Jeske auch aus eigener Erfahrung. Sie selbst hat schließlich vor Gericht einem Vergleich zugestimmt: „Ich wollte einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen.“ Sie braucht jetzt ihre ganze Kraft für andere Unfallopfer.

Spendenkonto:

subvenio e. V.
IBAN: DE61 3005 0110 1005 2828 66
Infos: www.subvenio-ev.de

Preisträgerin Petra Mannfeld

Preisträgerin Petra Mannfeld

Petra Mannfeld (52) rettet ihr Dorf

Dem Ort Ziegendorf in Mecklenburg-Vorpommern geht es wie vielen Dörfern auf dem Land: Ihm laufen die Leute weg. Verarmung, Vereinsamung, Verödung sind die Folge. Aber nicht mit Landfrau Petra Mannfeld! Mit viel Energie und guten Ideen startete sie ihr Projekt „Treffpunkt altes Pfarrhaus“ – und steckt alle an!

Hauptberuflich ist Petra Mannfeld Biobäuerin, also eine, die richtig anpacken kann. Kein Typ, der lamentiert. Gar nicht „nebenbei“ ist sie auch noch ehrenamtliche Bürgermeisterin und weiß, wo’s in ihrer Region am meisten brennt: „Wir sterben aus. Vor 20 Jahren waren wir noch rund 850 Ziegendorfer, jetzt sind es knapp 300.“ Die Jungen zieht es in die Metropolen, zurück bleiben vor allem Alte. „Unsere Schule ist geschlossen, der Supermarkt, Bank und Dorfkneipe sowieso, leer stehende Häuser verfallen.“ Aber nicht nur die Jugend fehlt, sondern auch Industrie und Jobs – und damit Steuereinnahmen.

Die Landflucht ist ein bundesweites Phänomen: „In einigen Regionen“, bestätigt Experte Ulrich Harteisen, Professor für Regionalmanagement, „ist es schon lange fünf vor zwölf.“ Doch es sind gar nicht die leeren Kassen und geschlossenen Läden, die Petra Mannfeld am meisten ärgern, sondern: „Die Tatenlosigkeit! Viele von uns haben resigniert, sind deprimiert. Die Mutlosigkeit ist schlimmer als jede Abwanderung. Wenn wir nur darauf hoffen, dass uns jemand hilft, uns rettet, dann können wir warten, bis wir schwarz werden!“

Also selber ran! Petra Mannfeld findet Unterstützung bei einer kleinen Gruppe von Landfrauen. Sie renovieren das alte Pfarrhaus, organisieren Freiwilligen-Aktionen, gestalten Gärten, planen Feste: „Wenn alle mithelfen, will hier bald keiner mehr weg!“

Immer, wenn sich die Landfrauen im Garten des alten Pfarrhauses treffen, ist auch der alte Dorfgeist zu spüren, der langsam wieder erwacht. Das Pfarrhaus ist jetzt Zentrum für Grillabende, Musikstunden, Theateraufführungen. „Hier haben wir die besten Ideen – sogar im Winter, wenn’s am Holzofen ziemlich kalt wird.“

Die Ziegendorfer sichern marode Häuser, entsorgen Müll, wo sie ihn finden. „Aufräumen klingt ja vielleicht banal, aber oft sind es Kleinigkeiten, die Großes bewirken“, sagt Biobäuerin Petra Mannfeld lächelnd.

Zu den Gemeinschaftsaktionen kommen ständig mehr Freiwillige. Das war nicht immer so. „Nach meiner ersten Amtsperiode wollte ich nicht mehr kandidieren. Ich hatte das Gefühl, alles alleine bewegen zu müssen.“ Also stellt sie der Gemeinde 2014 ein Ultimatum: „Entweder packen alle mit an – oder ich trete ab.“ Das Dorf hat die Botschaft verstanden. „Die Stimmung ist so viel positiver geworden!“, freut sich Petra Mannfeld. 20 Jahre ist es jetzt her, dass sie mit ihren Eltern aus dem Rheinland nach Mecklenburg-Vorpommern zog. „Mein Sohn ist hier aufgewachsen, ich bin hier zu Hause. Ich mag die Landschaft, die Menschen. Gemeinsam machen wir Ziegendorf zukunftsfit!“

Spendenkonto:

Verein Neues Landleben
IBAN: DE23 1002 0500 0001 4335 00
Infos: www.treffpunktaltespfarrhaus.de 

Preisträgerin Patricia Renz

Preisträgerin Patricia Renz

Patricia Renz (50) integriert benachteiligte Kinder

Mit „Musica Altona e.V.“ bringt die Lehrerin Kinder aus Problemstadtteilen zusammen – um Geige, Klavier oder Schlagzeug zu spielen. Das gemeinsame Musizieren baut Vorurteile ab, fördert das Miteinander – und nebenbei riesige Talente.

Als die Violinen den Walzer von Brahms anstimmen, wird es feierlich. Die Augen der Kinder wandern über Notenblätter, die Augenbrauen zur Stirn. Patricia Renz wiegt den Kopf zur Melodie, lächelt aufmunternd. Man sieht, was sie sagen möchte: „Ach, ihr macht das wundervoll!“

Die Hamburgerin ist stolz auf ihre Geigenkids. 2002 hat sie „Musica Altona e. V.“ gegründet – einen Verein, der Kindern eine Chance gibt, die einen schwierigen Start ins Leben haben. Weil ihre Eltern aus einem anderen Kulturkreis kommen, süchtig sind oder arbeitslos. Kinder, die ohne „Musica Altona“ wohl nie in die Nähe einer Geige gekommen wären. Der Verein ist ihr Leben. Tag für Tag ist die Musiklehrerin und zweifache Mutter ehrenamtlich unterwegs. Sammelt Spenden für Instrumente, koordiniert zehn Lehrer, die Klavier, Geige oder Trommel unterrichten, überzeugt Eltern, ihre Kinder zu den Kursen zu lassen, hilft bei Aufnahmeanträgen.

Was treibt Patricia Renz an? „Musik ist die Sprache, die uns alle verbindet“, sagt sie. Die jedes Herz erreicht, Brücken baut. „Musik macht selbstsicher, motiviert, gibt Halt. Das sollen alle Kinder erfahren dürfen! Ungerechtigkeit hat mich schon immer traurig gemacht.“ Wenn die gebürtige Kolumbianerin erzählt, lachen ihre Augen. Ihre Begeisterung steckt an: Mehr als 300 Schüler zwischen zehn und 16 Jahren machen in den Kursen mit, spielen Bach, Vivaldi, jiddische oder Balkan-Lieder – und geben „Gänsehaut-Konzerte“, wie Patricia Renz sie nennt. Zurzeit üben die Schüler nach Unterrichtsschluss in den Räumen einer Ganztagsschule – vor 17 Uhr ist das selten möglich. Patricias Traum deshalb: „Ein eigenes Kindermusikhaus, nie mehr Platzprobleme!“ Um Leistung geht es beim Musizieren nicht – das Miteinander zählt. Dennoch werden immer wieder Talente entdeckt. Wie Maria (12) und Onour (16), die beide grandios Geige spielen. Oder Furkan (15), heute ein kleines Genie am Klavier.

Als er 2010 das Instrument lernen wollte, fehlten Papa (Tellerwäscher) und Mama (Tupperberaterin) das Geld. Lehrer Gino von „Musica Altona“ brachte dem Sohn türkischer Einwanderer die Tonleiter bei, erkannte dessen Begabung. Zwei Jahre später besorgt Patricia Renz dem Jungen ein Begabtenstipendium und ein gebrauchtes Klavier. Heute übt Furkan jeden Tag Beethoven-Sonaten oder Chopins Mazurka, will Pianist werden. „Ich hatte viel Glück“, sagt der Gymnasiast, „und bin ohne Ende dankbar.“ Als er an diesem Nachmittag die ersten Akkorde anschlägt, stellen sich die Jüngeren ums Klavier und schauen auf seine Hände. Die Musik hat hier schon viele Freundschaften entstehen lassen, so manchem Kind Mut geschenkt. Patricia könnte auch viele traurige Geschichten erzählen … Tut sie aber nicht. Weil für sie nur eines zählt: „Dass heute alle Kinder mit Freude Musik machen. Und glücklich sind.“

Spendenkonto:

Musica Altona e. V.
IBAN: DE05 2005 0550 1268 1123 70
Infos: www.musica-altona.de

Preisträgerin Nathalie Schaller

Preisträgerin Nathalie Schaller

Nathalie Schaller (31) hilft missbrauchten Frauen in Indien

Gewalt gegen Frauen: In Indien ist sie Alltag. Um Frauen und Mädchen, die jahrelang missbraucht wurden, eine Zukunft zu geben, hat Nathalie Schaller das wohltätige Mode-Label „Glimpse“ gegründet.

Nathalie Schaller hält einen knallroten Rock in der Hand. „Den hat Gargi gemacht, das erkenne ich an der Blume auf dem Einnäher“, sagt die Stuttgarterin und lächelt. „Gargi ist toll! Sie hat so leiden müssen – und bei ,Glimpse‘ trotz allem ihre Lebensfreude wiedergefunden.“

„Glimpse“, das ist der Name einer kleinen wohltätigen Modemarke, die sich durch Spenden finanziert und eine Nähwerkstatt in Indien betreibt. „Uns geht es nicht ums Geldverdienen“, erklärt Gründerin Nathalie Schaller. „Sondern darum, Frauen, die missbraucht und entrechtet worden sind, wieder in die Gesellschaft zu holen. Ihnen ihre Würde zurückzugeben – und eine Zukunft!“

Frauen wie Gargi. Mit acht Jahren wird die heute 20-Jährige zum ersten Mal missbraucht – von ihrem Cousin. Später auch von ihrem Stiefvater. Gargi flüchtet, lebt auf der Straße, wird Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Die Männer sperren das hilflose Mädchen ein. „Als eine Hilfsorganisation Gargi schließlich befreite“, erzählt Nathalie Schaller, „war sie krank, völlig verzweifelt, hatte keine Kraft mehr zum Leben.“ Der Platz bei „Glimpse“ war Gargis Rettung.

„Glimpse“, das ist Englisch und bedeutet „Hoffnungsschimmer“. Und Hoffnung ist das, was Nathalie Schaller ihren Schützlingen schenkt: „In unserer Nähwerkstatt in Mumbai bekommen sie eine Ausbildung, Arbeit, fairen Lohn – und noch viel mehr: Wer jahrelang missbraucht wurde, hat Vertrauen und Selbstwert völlig verloren. Wir helfen den Frauen im Alltag, geben ihnen Sicherheit. Und sie sind stolz auf das, was sie leisten!“

Jedes Kleidungsstück, das später in Deutschland verkauft wird, kennzeichnen die Näherinnen mit einem eigenen Zeichen. „So weiß jede Näherin, was sie geschaffen hat, und dass man seinen Körper nicht verkaufen muss, um zu überleben.“ Und die Menschen, die die Hosen, T-Shirts, Röcke und Kleider über eine Internetseite bestellen, wissen genau, wer ihr neues Outfit gemacht hat. „Auch unsere Kunden tun so Gutes.“

Vor vier Jahren hat Nathalie Schaller das Label gegründet, ist seitdem Herz und der Motor des Projekts, arbeitet mit ihren Freunden ehrenamtlich dafür – neben der Familie, neben dem Job. „Miete, Gehälter, Material – dafür reicht das Geld, das wir durch den Verkauf einnehmen, natürlich nicht. ,Glimpse‘ lebt von Spenden.“ Ihr Ziel? Dass „Glimpse“ noch erfolgreicher wird, damit sie mehr Frauen helfen kann: „Allein in Indien gibt es über 900 000 Zwangsprostituierte – und ein Drittel von ihnen ist minderjährig!“

Was sie antreibt: „Mir ist klar geworden, wie viel Glück ich selber hatte. Ich bin behütet aufgewachsen, konnte studieren, reisen, habe einen tollen Mann und eine süße Tochter. Die Frauen in Indien hatten nie eine Chance auf all das.“ Wenigstens ein bisschen Glück will sie mit „Glimpse“ zurückgeben.

Spendenkonto:

GLIMPSE CLOTHING gGmbH
IBAN: DE92 6005 0101 0002 3587 98
Infos: www.glimpse-clothing.com