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BILD der FRAU veröffentlicht Studie „Frauen der Sandwich-Generation: Zwischen Kinderbetreuung und Unterstützung der Eltern“

Erst „Hotel Mama“, dann „Residenz Tochter“ – Frauen der Sandwich-Generation schultern Kindererziehung und Altenpflege in der Familie weitgehend allein

 

HAMBURG / BERLIN / ESSEN, 19.05.2015. In der Studie „Frauen der Sandwich-Generation“ der BILD der FRAU steht die Mehrfachbelastung von Frauen zwischen 40 und 59 im Fokus: Wie managen sie neben Beruf und Haushalt zusätzlich die Erziehung von Kindern und Pflege der Eltern? Welche Hilfen wünschen sie sich von Politik und Wirtschaft?

82 Prozent aller deutschen Frauen zwischen 40 und 59 Jahren kennen das Gefühl der Überforderung. Genauso viele leiden unter Zeitnot. Denn die Aufgabenliste der Frauen mittleren Alters wird immer länger – und sie verlangen immer mehr von sich selbst.

Haushalt und Kindererziehung sind in Deutschland immer noch Frauensache

66 Prozent der 40- bis 59-jährigen Frauen erledigen die Familienarbeit mehr oder weniger allein, ergab eine repräsentative Studie von BILD der FRAU und dem Institut für Demoskopie Allensbach. Kommt es dann in der Familie zu einem Pflegefall, verschärft sich die Lage der Frauen weiter: 82 Prozent der Frauen, die einen pflegebedürftigen Angehörigen haben, pflegen diesen auch selbst. Bei Männern sind es nur 64 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD): „Die Studie bestätigt, was vermutlich jede und jeder aus dem Alltag weiß: Frauen leisten unglaublich viel bei den Erziehungs- und Pflegeaufgaben – immer noch viel mehr als Männer. Ich glaube, jeder von uns kennt Frauen im näheren Bekannten- und Freundeskreis in so einer Lebenssituation – auch ich.“

Vierfachbelastung in der Lebensmitte

Dabei sind gut drei Viertel der 40- bis 59-jährigen Frauen, die einen Angehörigen pflegen, auch berufstätig – 30 Prozent sogar in Vollzeit. Viele Frauen müssen sich damit einer Vierfachbelastung aus Kindererziehung, Pflege, Haushalt und Job stellen. Um Kinder und Elterngeneration unterstützen zu können, schränken Frauen ihre Berufstätigkeit häufiger ein als Männer. Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach: "Was Frauen für die Gesellschaft leisten, wird oft zu wenig anerkannt. Die Reduzierung der eigenen Berufstätigkeit zugunsten der Familie hat zwangsläufig gravierende Auswirkungen auf die beruflichen Chancen, Verdienstmöglichkeiten und Rentenansprüche von Frauen."

Keine Zeit zum Durchatmen mehr

Fast eine Million Frauen in Deutschland sind bereits von einer Sandwich-Situation im engsten Sinne betroffen: Sie versorgen noch Kinder im Haus und pflegen dort schon gleichzeitig Eltern oder Schwiegereltern. Der Normalfall für deutsche Frauen ist allerdings noch das direkte Nacheinander der Belastungen: Stehen Söhne und Töchter auf eigenen Füßen, brauchen Eltern oder Schwiegereltern tatkräftige Unterstützung.

Die Sorgen werden größer

67 Prozent rechnen damit, dass die Belastungen durch Eltern oder Schwiegereltern in den nächsten Jahren zunehmen. Schon jede Fünfte fragt sich, wie sie die Unterstützung in Zukunft schaffen soll. Richtig groß sind diese Sorgen bei den 55- bis 59-Jährigen: Da beschäftigt jede Zweite der Gedanke, „wie es in Zukunft weitergehen soll.“ Auch das schlechte Gewissen verabschiedet sich nie: Zwischen 40 und 44 heißt es, „ich müsste mich mehr um die Kinder kümmern“, zwischen 50 und 54 lautet der Vorwurf „ich müsste mich mehr um die Eltern kümmern.“

Enorme Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen

Trotz der Vielfachbelastung überzeugen Frauen mittleren Alters mit einer enormen Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft. 67 Prozent kümmern sich gern, jede Dritte macht es glücklich, wenn sie helfen kann. 83 Prozent geben an, große Freude am Leben zu haben. Sandra Immoor, Chefredakteurin von BILD der FRAU: „Da ist kein Jammern über verpasste Chancen, Träume und Ziele fürs eigene Leben. Diese Frauen beeindrucken zutiefst, sind Stütze unserer Gesellschaft – jetzt gilt es, diese Generation echter Macherinnen auch tatsächlich zu entlasten und konkret zu unterstützen.“

Deren größter Wunsch? 64 Prozent der pflegenden Frauen wünschen sich einen Abbau der Pflege-Bürokratie. 59 Prozent würden sich über eine stärkere Berücksichtigung der Familienarbeit bei der Rente freuen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD): „Wir haben bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einiges erreicht: Wir haben das Elterngeld Plus und den Ausbau der Kindertagesbetreuung zur Unterstützung der Familien beschlossen. Für pflegende Angehörige haben wir die Rahmenbedingungen mit der neuen Familienpflegezeit und dem Pflegeunterstützungsgeld spürbar verbessert. Am Ziel sind wir aber noch lange nicht, bei den Alleinerziehenden oder der Gehaltsentwicklung und den Arbeitsbedingungen z.B. von Erzieherinnen gibt es noch viel zu tun.“

Zur Studie:

Die Studie „Frauen der Sandwich-Generation: Zwischen Kinderbetreuung und Unterstützung der Eltern“ wird von BILD der FRAU im Rahmen der Studienreihe „BILD der FRAU-FRAUENBILDER“ veröffentlicht. Mit dieser Studienreihe geht BILD der FRAU als Deutschlands größte Frauenzeitschrift einmal im Jahr einem gesellschaftsrelevanten Thema wissenschaftlich auf den Grund.

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat in der repräsentativen Befragung Frauen und Männer zwischen 40 und 59 Jahren in Deutschland zu ihrer Lebenssituation und der Arbeit für und in der Familie befragt. Im November 2014 wurden hierzu 1060 Personen mündlich und persönlich interviewt.

 

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