Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht

Was macht eigentlich ein Medienkaufmann?

Was machen eigentlich Medienkaufleute?

„Du arbeitest bei der Zeitung? Cool, dann schreibst du also Artikel!“ – Nicht unbedingt: Längst nicht alle Leute, die bei der Zeitung arbeiten, haben auch mit dem journalistischen Handwerk zu tun.

Wer schon einmal einen Verlag besucht hat, dem wird schnell klar, dass „Zeitung machen“ viel mehr bedeutet als die tägliche Recherche für Artikel, nach neuesten Nachrichten und interessanten Storys. Und doch: Dies ist die Facette der Zeitung, die Leser jeden Tag zu Gesicht bekommen. Wer anfängt darüber nachzudenken, welche Kette von Arbeitsschritten der druckfrischen Ausgabe im Briefkasten vorausgegangen ist, der wird ein bisschen besser verstehen, welche Abläufe in einem Medienunternehmen wie der WAZ-Mediengruppe Tag ein Tag aus geschehen.

Womit fängt also alles an?

Journalisten machen sich Gedanken über das aktuelle Tagesgeschehen, schreiben Artikel und layouten ihre Arbeit in bestimmten Redaktionssystemen. Doch ohne den Verlag könnte der schönste journalistische Text nicht bei den Lesern ankommen.

Wen brauchen wir also, um die Zeitung auch an die Leser zu bringen?

Jede Nacht schwärmen Hunderte von Zeitungsboten – genannt Zusteller – im ganzen Ruhrgebiet, Sauer- und Siegerland und am Niederrhein aus und bringen die Zeitung dahin, wo sie hingehört – in euren Briefkasten! Zum Aufgabengebiet von Medienkaufleuten, einer der Ausbildungsberufe in der Medienbranche, gehört es, die gesamte Logistik zu organisieren: Routen müssen geplant, Vertretungen für kranke Zusteller organisiert, Absprachen mit der Spedition getroffen werden, die mitten in der Nacht die Zeitungspakete in genau abgezählter Anzahl an die sogenannten „Abladestellen“ bringt.

Klar ist dabei auch, dass nicht immer alles klar ist. So kann es natürlich immer mal wieder vorkommen, dass die Zeitung es nicht pünktlich in den Briefkasten schafft. Man wundert sich und ruft bei der Zeitung an.

Wo ständig das Telefon klingelt

Im Kunden-Service-Center begegnen wir dann prompt den nächsten nicht-journalistischen Mitarbeitern des Verlages: Es klingelt ununterbrochen in dem großen Raum, viele fleißige Telefonisten nehmen Reklamationen, Urlaubsaussetzer der Zeitung und alle anderen Fragen und Anmerkungen von Lesern entgegen. Spannend, weil man jeden Tag mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat. Hier befindet sich sozusagen die Zentrale des Verlags. Nicht nur Abonnenten rufen hier an, sondern zum Beispiel auch der Einzelhändler, der in der WAZ-Ausgabe in Bottrop für seinen Blumenladen werben möchte.

Von hier aus wird er an das für ihn zuständige Medienbüro weitergeleitet, wo sein Werbeauftrag entgegengenommen, seine Anzeige gestaltet und dafür Sorge getragen wird, dass sie am gewünschten Tag in der Zeitung erscheint. Dies ist die Aufgabe der Medienberater, ebenfalls ein klassisches Berufsfeld für Medienkaufleute. Und ein ziemlich wichtiges sogar, denn wer hätte gedacht, dass sich die Zeitung zu einem großen Teil aus Anzeigen finanziert? Dabei handelt es sich nicht nur um die Anzeigen in der Zeitung. In Zeiten des World Wide Web gehören Aufgaben im Onlinebereich mittlerweile genauso zu den Standbeinen des Verlages wie der typische Printbereich. Hier bieten sich spannende Arbeitsfelder für Medienkaufleute, die mit Bits und Bytes mehr anfangen können als mit dem gedruckten Wort.

Egal ob digital oder gedruckt: Die Zeitungstitel bekannt zu machen, ist die Aufgabe des Marketings. Überall, wo euch das Logo „WAZ“ ins Auge springt, hat das Marketing seine Finger im Spiel. Das kann das Konzert eurer Lieblingsband genauso sein, wie Kooperationen mit Freizeitparks oder Fußballvereinen. Immer mit dem Ziel, die Zeitung ins Gespräch zu bringen und die WAZ als Marke bekannter zu machen, sorgen die Mitarbeiter des Marketings dafür, dass ihr mit dem Titel konfrontiert werdet. Hier ist Kreativität gefragt – es gilt, Kontakte zu Kooperationspartnern zu knüpfen und so ein Marketing-Netzwerk aufzubauen, das alle möglichen Bereiche des Alltags abdeckt. Das macht diesen Job aus und ist ebenso abwechslungsreich wie spannend. 

Eigenes Lifestyle-Magazin von Azubis

Was in einem Medienunternehmen passiert, lernen die Auszubildenden Medienkaufleute außerdem im Berufskolleg: Das alljährlich stattfindende „prints“-Projekt wird von allen Auszubildenden des zweiten Lehrjahres zusammen auf die Beine gestellt. Heraus kommt dabei ein buntes Lifestyle-Magazin, das von den Auszubildenden unter dem Dach des eigens dafür gegründeten Eindruck-Verlages von der Konzeption bist hin zum Vertrieb selbstständig umgesetzt wird. Dabei erleben die Auszubildenden, wie viel Arbeit hinter der Veröffentlichung solch einer Zeitschrift steht und setzen sich mit den von ihnen gewählten Themenschwerpunkten auseinander. Die „Generation 2010“ steht dabei in diesem Jahr auf dem Programm des Berufsschulprojektes, das bereits zum zehnten Mal durchgeführt wird. 

Wer bei all dem die klassischen Abteilungen wie „Verwaltung“, „Buchhaltung“ oder „Einkauf“ vermisst hat, der soll nicht enttäuscht werden: Irgendwer muss schließlich auch dafür sorgen, dass immer genug Zeitungspapier in der Druckerei ist, dass Rechnungen verschickt werden und zum Beispiel die Zusteller, die jede Nacht im Revier unterwegs sind, auch ihren Lohn bekommen. 

Ihr merkt: Ja, ich arbeite bei der Zeitung, obwohl ich keine Artikel schreibe. 

Den Verlag von einer anderen Seite kennen zu lernen, das ist die Aufgabe für all diejenigen, die sich für eine Ausbildung zum Medienkaufmann oder zur Medienkauffrau entscheiden. 

Christine Steinat