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Geschäftsführer Andreas Schoo im Interview: "Mut, Neugierde und gutes Handwerk sind für mich die wichtigsten Eigenschaften im Job"

FUNKE-Geschäftsführer Andreas Schoo ist überzeugt: "Wenn wir heute mit den gleichen Methoden wie in den 80er Jahren arbeiten würden, wären wir chancenlos." Doch "Medienunternehmen haben immer mit lebendigen Produkten zu tun, die sich naturgemäß ständig neu erfinden und weiterentwickeln." Innovation ist also der Schlüssel für langfristigen Erfolg - deshalb möchte die Geschäftsführung den Innovationsgedanken in unserem Hause noch stärker fördern und belohnen. Der Innovationswettbewerb legt den Fokus nun noch konsequenter auf echte und erfolgreiche Innovationen.

Wie innovativ unser Medienhaus überhaupt ist, welche FUNKE-Innovation ihn am meisten begeistert und wie Corona Innovationen beeinflusst, erklärt Andreas Schoo im Interview mit der Unternehmenskommunikation.

 

Herr Schoo, bei „jakobsbeste“ prämieren wir in Zukunft keine Ideen, sondern nur echte Innovationen – also Produkte, die verkauft werden. Warum?

Andreas Schoo: Ich glaube, es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Ideen und Innovationen. Ideen gibt es viele, aber man muss sie dann auch weiterentwickeln. Die Verantwortung des Managements besteht darin, aus vielen Ideen die beste herauszusuchen und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell, einen Prozess oder ein Produkt zu bauen, das für das Unternehmen relevant ist. Eine tolle Innovation setzt zwar immer eine tolle Idee voraus, aber eine Idee allein ist nicht viel wert, solange sie nicht umgesetzt wird.

Würden Sie FUNKE denn generell als ideenreichen Konzern bezeichnen – auch im Vergleich zu anderen Medienunternehmen?

AS: Im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen sind wir als Medienunternehmen sicherlich sehr innovativ: Medienunternehmen haben immer mit lebendigen Produkten zu tun, die sich naturgemäß ständig neu erfinden und weiterentwickeln. Doch auch innerhalb der Medienbranche sehe ich uns im oberen Drittel. Es gibt natürlich immer Unternehmen, die noch innovativer sind – da fällt mir zum Beispiel das Online- und Printmagazin „Vice“ ein. Andere, die so radikal innovativ sind, sind aber halt fast ausschließlich innovativ, nicht kaufmännisch getrieben. Bei FUNKE beherrschen wir beide Aspekte gut – das zeichnet uns aus. Wir betreiben Innovationen nicht als Selbstzweck, sondern sehen sie als Mittel für unseren wirtschaftlichen Erfolg.

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Das "Smart Paper" war der erste Gewinner bei jakobsbeste.

Welche Innovation bei FUNKE hat Sie denn besonders überrascht?

AS: „Smart Paper“, der erste Gewinner unseres Innovationspreises „jakobsbeste“, war eine sehr coole Idee und ist eine Blaupause für das, was wir uns in Zukunft vorstellen. Was hat mich daran begeistert? Wir haben hier eine neue technische Möglichkeit erschlossen, die nur dem Spürsinn einzelner Mitarbeiter im Produktionsbereich zu verdanken ist. Sie waren einfach neugierig und haben ihre Idee dem Management vorgestellt. Genau diese Initiative wünschen wir uns! Unsere Aufgabe als Geschäftsführer ist es dann, zu schauen, wie aus den Ideen ein kommerzieller Erfolg werden kann. Zusammengefasst: „Smart Paper“ war eine vorbildliche Innovation - verschiedene Bereiche des Unternehmens haben hierfür kooperiert und aus einer simplen Technologie, die FUNKE seit Jahrzehnten perfekt beherrschen, eine Innovation in den Markt gebracht haben, mit der wir mittlerweile relevanten Umsatz machen. Es ist eine Innovation, die sehr erfolgreich ist und bleiben wird.

Also ist Marktfähigkeit das A und O für eine Innovation?

AS: Ja, unsere Innovationen müssen im Markt funktionieren, ansonsten wäre FUNKE kein Medienunternehmen, sondern eine Universität oder ein Forschungslabor. Unsere Aufgabe besteht darin, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, damit wir unseren journalistischen Auftrag erfüllen können.

Welche Innovationen sind denn im Zeitschriftenbereich zukunftsträchtig? Gibt es im Markt Ideen, auf die wir reagieren müssen?

AS: Ich glaube, dass wir bei FUNKE auf einem sehr guten Weg sind, aber sicher noch mehr Potenzial haben. Das Innovative bei uns ist, dass wir eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Zeitschriften- und Tageszeitungsbereich leisten können – ganz konkret, nicht nur in Sonntagsreden. Nehmen Sie die „IMTEST“: Hier kommen hohe redaktionelle Kompetenz, tolle Artikel in den Tageszeitungen und ein super Supplement zusammen. Unser Pfund als FUNKE Mediengruppe, nämlich Zeitungen und Zeitschriften im Portfolio zu haben, ist bundesweit ziemlich einmalig – und kommt hier voll zum Tragen. Demnächst ergänzen wir IMTEST um eine eigene Website und weitere Digitalaktivitäten. IMTEST ist für mich ein Prototyp für Innovation mit schon jetzt sehr erfreulichen Umsätzen. Die Erträge wiederum eröffnen uns Möglichkeiten für weitere Innovationen. 

FUNKE-Geschäftsführer Andreas Schoo. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

FUNKE-Geschäftsführer Andreas Schoo. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Cash Flow, Personaldecke, digitaler Wandel sind große Themen, die Konzerne derzeit umtreiben. Warum ist Innovation überhaupt wichtig?

AS: Innovation ist heute wichtiger denn je. Das ist keine Binse, sondern lässt sich schnell belegen. FUNKE ist inzwischen einer riesigen Konkurrenz ausgesetzt. Früher hatten unsere Regionalzeitungen in vielen Gebieten quasi Monopolstellung, mussten sich höchstens gegen andere Zeitungen durchsetzen. Heute gibt es Dutzende weitere Informationsmöglichkeiten, zu denen wir in Konkurrenz stehen. Dasselbe gilt im Zeitschriftenbereich: Für das tollste Ostermenü hat man früher automatisch zur „BILD der FRAU“ gegriffen. Heute gibt es Hunderte von nationalen und internationalen Food-Seiten, Sparten-TV-Sender oder kostenfreie Magazine. Kurzum: Der Wettbewerb um die Zeit und das Geld der Mediennutzer ist gigantisch. Wenn wir heute mit den gleichen Methoden wie in den 80er Jahren arbeiten würden, wären wir chancenlos. Wir würden untergehen. Stattdessen leisten wir heute einen viel höheren Output bei gleichzeitig höherer Qualität.

Was die Situation jetzt besonders macht, ist, dass wir durch Corona vor einer Art Zeitenwende stehen. Man sagt, dass das 21. Jahrhundert in Wahrheit erst 2020 begonnen hat. Corona hat unser Leben so massiv verändert, wie wahrscheinlich nichts seit Kriegsende mehr.

Ist Innovation überhaupt ein Thema mitten in der Corona-Krise?

AS: Das Virus fördert Innovation ganz gravierend. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber auf gewisse Weise war Corona, neben all der Tragik, auch ein Katalysator für gute Dinge. Wir sind gezwungen, viele Dinge neu zu denken. Auch das Interesse unserer Leserinnen und Kunden verändert sich. Darauf brauchen wir Antworten und dafür brauchen wir Innovation.

… auch in der Frage, wie wir bei FUNKE zukünftig arbeiten?

Ja, auch bei FUNKE mussten wir ja komplett neu denken und das gesamte Unternehmen innerhalb von zwei Tagen ins „mobile office“ verlagern. Die Erfahrungen daraus lösen natürlich neue Diskussionen über unser zukünftiges Arbeiten aus. Wie wollen wir unseren Arbeitsalltag gestalten? Welche Bedeutung hat das Büro? Welche Bedeutung hat das „mobile office“? Und daraus ergeben sich natürlich ganz neue Sichtweisen.

Die Anforderungen im Digitalbereich steigen dadurch gravierend, andererseits eröffnen sich auch großartige neue Chancen. Nicht umsonst haben wir zweistellige Wachstumsraten im Digitalbereich.

Nicht jede Innovation ist gleich ein Erfolg. Welchen Raum wollen wir bei FUNKE in Zukunft für Innovation schaffen?

AS: Es ist wichtig, immer wieder neue Sachen auszuprobieren und die Kolleginnen und Kollegen ebenfalls dazu zu ermutigen. Mut, Neugierde und gutes Handwerk sind für mich die wichtigsten Eigenschaften im Job. Wir haben so viele hochtalentierte Kolleginnen und Kollegen und ich ermuntere jeden, Dinge auszuprobieren. Es muss in allen Bereichen Teil des Jobs sein, regelmäßig über den Tellerrand hinauszublicken und über neue Ideen nachzudenken. 

Nehmen wir das Beispiel Zeitschriften: Noch vor fünf Jahren wurde ein neues Produkt aufwendig von einem kleinen Team entwickelt und dann nach einem Jahr in eine teure Marktforschung gegeben, bevor es auf den Markt kam. Der Erfolg war dabei nicht immer besonders hoch. Diese Prozesse haben wir mittlerweile beschleunigt. Wir vertrauen dem Know-how und der Kreativität unserer Leute, entwickeln nach bestem Wissen und Gewissen und nutzen unsere eigenen Ressourcen, bevor wir Produkte in den Markt bringen. Das Ergebnis ist super erfolgreich: Wir haben kaum Flops, fast alle neuen Produkte sind schon nach der zweiten oder dritten Ausgabe profitabel. Es ist ja auch ein tolles Gefühl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu wissen, dass sie nicht für die Galerie oder Mülltonne arbeiten, sondern Produkte entwickeln, die wirklich auch im Markt gelesen werden. Und das Schöne ist, dass durch dieses Vorgehen sogar ein interner Wettbewerb der besten Ideen zwischen den Bereichen und Standorten entsteht.

Sie sind jemand, der sich gern anhand von Daten einen klaren Überblick verschafft. Wie wichtig sind denn Daten für Innovation?

Daten sind ein sehr wichtiges Messinstrument, um den Erfolg unserer Produkte zu belegen und zu schauen, in welchen Bereichen wir in den nächsten Jahren wachsen und Investitionen tätigen müssen. Daten sind ein Innovationsradar.

Wenn jetzt jemand mit einer tollen Idee kommt, von der Sie auch überzeugt sind - haben Sie dann auch Budget dafür?

Ja, natürlich! Wenn das Konzept überzeugt, gehen wir ins Risiko – allerdings nicht blauäugig. Die Kolleginnen und Kollegen bekommen die Zeit und das Geld, aber wir schauen eben auch, wie es läuft und unterstützen, wo es geht. Wenn die Idee nicht funktioniert, muss man aber letztlich auch den Mut haben, ehrlich zu sich selbst sein und die Idee entweder verwerfen oder justieren. Das ist völlig legitim, denke ich. Viel schlimmer wäre es doch, tote Pferde weiterzureiten und damit Zeit und Energie zu verschwenden.