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Foto: Verena Reinke

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Interview mit Caro Maurer - Master of Wine: Frühlingsgefühle in Weiß und Rosé

Sie versteht Wein wie kaum jemand anderes in Deutschland und der Welt: Caro Maurer trägt den international anerkannten Titel „Master of Wine“ vom gleichnamigen Wein-Institut in London. Nach jahrelanger Ausbildung und vielem Lernen, bestand sie 2011 als erste Frau im deutschsprachigen Raum die Abschlussprüfungen mit Bestnote. Neben ihrem feinen Gespür für Wein hat die gebürtige Allgäuerin eine zweite Leidenschaft: den Journalismus. Für das FUNKE-Frauenmagazin „Donna“ gibt die Weinkennerin Empfehlungen und Tipps, worauf Leserinnen bei der Wahl eines edlen Tropfen Weins achten sollten. Im FLURFUNK-Interview erzählt Caro Maurer von ihrem Weg von der Journalistin zur ausgezeichneten Weinkennerin, ob es beim Weintrinken einen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt und woran man einen guten Wein erkennt.

 

Caro, eigentlich arbeitest du als freie Journalistin unter anderem für den „Bonner General Anzeiger“ und verschiedene Magazine – wie bist du eine „Master of Wine“ geworden?

Nach meinem Studium der Kommunikationswissenschaften ging ich nach New York, um dort als Journalistin und Korrespondentin für Magazine des Burda Verlags zu arbeiten wie beispielsweise die „Bunte“. Als ich in den späten 80iger Jahren in New York lebte, habe ich sehr viel schlechten Wein getrunken. Als ich für meine Arbeit wieder nach Deutschland zurückkehrte, brauchte ich einen Ausgleich und suchte nach besserem Wein. Es fing also im Grunde alles damit an, schlechten Wein zu trinken und besseren trinken zu wollen. So wuchs mein Interesse.

Zurück in Deutschland spezialisierte ich mich immer mehr auf den Bereich „Essen und Trinken“. Ich fing an als freie Journalistin für mehrere Magazine wie „Der Feinschmecker“ und später auch für den „General Anzeiger“ in Bonn zu arbeiten. Ich merkte, dass es mir überhaupt nicht schwer fiel, über Essen, Kochen oder Lebensmittel zu schreiben. Das richtige Verständnis für Wein fehlte mir aber. Ich wollte verstehen, worüber ich schreibe. Daher beschloss ich, mich auf diesem Gebiet weiterzubilden.

Das Interesse für Wein war also geweckt – wie ging es dann weiter?

Nach meinem Bestehen des WSET-Diploms („Wine & Spirit Education Trust“) bekam ich eine Reise nach London geschenkt, bei der abschließend ein Besuch im „Institute of Masters of Wine“ auf dem Plan stand. Der Besuch im Institut hatte mich beeindruckt und ein paar Jahre später entschloss ich mich, selbst meinen Master dort zu machen. Ich fand es großartig, noch mehr über Wein lernen zu können, auch wenn ich viel Zeit und Geld investieren musste. Neben meinem Beruf als Journalistin war das nicht immer einfach. Die Theorie- und Praxisphasen sind sehr anspruchsvoll.

Foto: Verena Reinke

Foto: Verena Reinke

Was lernt man alles während der Ausbildung?

Man kann Wein nur verstehen, wenn man alle Prozesse drumherum kennt. Die Prüfung zum Master umfasst fünf Fächer: Zunächst lernt man alles rund um den Weinanbau und die Qualität von Trauben. Im Fach „Kellertechnik“ geht es um die Verarbeitung sowie die Abläufe von Gärungs-Prozessen. Mittlerweile nimmt auch das Qualitätsmanagement eine immer größere Rolle ein. Dabei geht es beispielsweise darum, wie im internationalen Weinhandel beim Transport die Qualität des Weins sichergestellt werden kann. Im Fach „Wein-Business“ lernt man den weltweiten Wein-Markt kennen: Zum Beispiel welchen Wein ich am besten einkaufe oder wer was an einer Flasche Wein verdient? Der letzte Bereich dreht sich um Wein in Bezug auf gesellschaftliche und gesundheitliche Aspekte wie Politik, Allergien oder Religion. Der schwierigste Teil sind jedoch die drei Praxisprüfungen, bei denen jeweils zwölf Weine blind verkostet werden.

Was sind deine Aufgaben als „Master of Wine“?

Meine Aufgaben als „Master of Wine“ nehmen eine immer größere Rolle ein, auch wenn ich nach wie vor für das „Feinschmecker-Magazin“ und den „General Anzeiger“ in Bonn schreibe. Hinzu kommen Gastbeiträge wie beispielsweise im „Decanter-Magazine“.

Zu einem großen Aufgabenbereich zählt die Ausbildung von Nachwuchs an Wein-Akademien in ganz Europa. Da bin ich richtig stolz drauf und es macht mir wahnsinnig Spaß, mit den weininteressierten Leuten zu arbeiten. Ich unterrichte zum Beispiel an der Weinakademie Österreich, an der Wein-Schule „WISP“ in Bordeaux oder an der „Culinary Academy“ in Oslo. Darüber hinaus bin ich auch Ausbilderin beim „Institute of Masters of Wine“ und trainiere dort mit Studierenden aus aller Welt. Außerdem leite ich Wein-Seminare, Tastings oder Workshops. Ich moderiere auch Veranstaltungen auf Messen.

Zudem bin ich als Beraterin tätig und arbeite unter anderem mit der Zentrale von Edeka im Wein-Einkauf zusammen. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Hamburg probieren wir verschiedene Weine und entscheiden, welche ins Sortiment der Filialen in ganz Deutschland aufgenommen werden.

Der Wein hat mit der Zeit einen immer größeren Platz in deinem Leben eingenommen. Wie passen Journalismus und Wein zusammen?

Sogar sehr gut! Ich bin der Meinung, diese Kombination sollte es öfter geben. Es gibt vielleicht eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen, die wirklich gut über Wein schreiben können und diese Disziplinen vereinen. In diesem Bereich muss man sehr verantwortungsvoll arbeiten und sich darüber bewusst sein, dass es Auswirkungen beispielsweise für Winzer haben könnte. Vor allem muss man versuchen, objektiv in der Berichterstattung zu bleiben. Journalistinnen und Journalisten wie ich müssen damit leben, dass wir einen Wein auch mal schlechter beurteilen – das fällt einem nicht immer leicht. Am Ende des Tages muss man zu seiner Meinung stehen können.

Seit einiger Zeit berichtest du auch in der Frauenzeitschrift „Donna“ über persönliche Wein-Empfehlungen. Trinken Frauen anders Wein als Männer?

Für die „Donna“ habe ich ein paar Beiträge geschrieben, auch wenn ich dort keine regelmäßige Kolumne habe. Über die „Donna“ erreiche ich gleichgesinnte und weininteressierte Frauen, die sich vielleicht noch nicht so viel mit der Qualität von Wein auseinandergesetzt oder die Wahl der richtigen Flasche bis jetzt jemand anderem überlassen haben.

Auf die Frage, ob Frauen anders Wein trinken als Männer, gebe ich eigentlich immer die Antwort, dass es auf beiden Seiten gute Weinkennerinnen und Weinkenner gibt. Es kommt dabei nicht auf das Geschlecht an, sondern auf den Geschmack. Es ist meiner Meinung nach auch ein Irrtum, dass Frauen immer nur süße Weine mit viel Restzucker trinken möchten. Das ist ein Vorurteil – es gibt genauso viele Männer, die Weine mit Restsüße bevorzugen. Am Ende kommt es auf den persönlichen Geschmack und die Erfahrung mit Wein an. Je mehr man über Wein weiß, desto hochwertiger trinkt man.

Du bist die erste Frau aus dem deutschsprachigen Raum, die den Titel „Master of Wine“ erlangt hat. Ist die Wein-Branche sehr männlich dominiert?

Das ist eine Frage, die mir häufig gestellt wird. In England – wo der Ausbildungsgang des Instituts herkommt – herrscht vorwiegend ein gleichberechtigtes Klima. International sind über ein Drittel aller „Master of Wine“ weiblich. Daher würde ich sagen, es besteht eigentlich schon ein ganz gutes Verhältnis. Ich persönlich habe das „Frausein“ in meiner Position und in der Wein-Branche nie als Nachteil empfunden, sondern eher als Vorteil aufgefasst. Vielleicht auch, weil ich in der Minderheit war und jeder dankbar war, dass endlich auch mal eine Frau mit am Tisch sitzt.

Foto: Verena Reinke

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Wie erkenne ich im Supermarkt-Regal einen qualitativ hochwertigen Wein? Worauf muss man achten?

Das ist nicht einfach, wenn man vor einem Wein-Regal mit bis zu 500 verschiedenen Flaschen steht. Es ist mittlerweile schwierig, schlechten Wein aus Deutschland zu finden, der von einem familiengeführten Weingut kommt. Weine in Deutschland sind qualitativ auf einem sehr hohen Niveau und können preislich verhältnismäßig günstig sein. Ein guter Wein kostet etwa um die 10 Euro. Natürlich gibt es auch Weine in einem niedrigeren Preissegment, die nicht schlecht sind, aber ab 10 Euro sollte man eine verlässlich gute Qualität bekommen. Am Ende kommt es auch auf den Anlass an, wofür ein Wein gebraucht wird. Im Alltag muss es nicht immer der „Drei-Sterne-Wein“ für 200 Euro sein. Grundsätzlich empfehle ich, zu einem Fachhändler zu gehen und sich vor Ort beraten zu lassen.

Zum Schluss bleibt noch die Frage, welchen Wein würdest du als Einstimmung auf den Frühling empfehlen?

Der Wechsel der Jahreszeiten geht häufig auch mit einem Farbwechsel des Weins einher. Im Frühling geht es also von Rot nach Weiß. Empfehlen würde ich einen deutschen Riesling, am besten einen Kabinett von der Mosel mit etwas Restzucker bei nur acht bis neun Volumenprozent Alkohol. Aber auch mit einem guten Rosé kann im Frühjahr angestoßen werden. Ganz nach dem Motto: Frühlingsgefühle in Weiß und Rosé.


Master of Wine: Die angesehenste Auszeichnung in der Welt des Weins

Das „Institute of Masters of Wine“, das den Titel „Master of Wine“ (MW) verleiht, wurde 1955 in London gegründet. Die Idee war es, mit Studium und Prüfung eine nachweisliche Qualifikation zu schaffen für exzellentes und komplexes Wein-Wissen. Ursprünglich war die Ausbildung britischen Weinfachhändlern vorbehalten. Heute steht sie Profis aus allen Wein-Bereichen und aus aller Welt offen. Caro Maurer war 2011 die erste Frau aus dem deutschsprachigen Raum, die „Master of Wine“ wurde. Insgesamt gibt es 418 „Masters of Wine“ aus 31 Ländern, zehn davon in Deutschland. Der Titel MW gilt nach wie vor als die angesehenste Auszeichnung in der Welt des Weins.