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Spagat zwischen Arbeit und Familie

Interview mit Iris Mydlach - Journalistin und Mutter im Corona-Alltagswahnsinn: Im #homeeverything ist Teamleistung gefragt

Durch die Corona-Pandemie hat sich der Arbeitsalltag von FUNKE-Mitarbeitenden stark verändert. Für diejenigen, für die es möglich ist, findet die Arbeit größtenteils im Homeoffice statt. Für viele Kolleginnen und Kollegen kommt die Betreuung von Kindern und Homeschooling hinzu. Der Spagat zwischen Arbeitswelt und Familienleben im #homeeverything ist nicht immer einfach. Im FLURFUNK-Interview mit Iris Mydlach, stellvertretende Ressortleiterin im Sport beim Hamburger Abendblatt, erzählt uns die Journalistin und Mutter von zwei Kindern, wie sie mit der Doppelbelastung umgeht. Besonders ihr Sohn Tim braucht zu Hause viel Hilfe und Unterstützung: Der 5-Jährige lebt mit einer Behinderung und braucht täglich Pflege. Warum Iris Mydlach es trotz alledem schafft durchzuhalten und die Herausforderungen meistert, lesen Sie hier.

 

Sie sind stellvertretende Leiterin im Sportressort des Hamburger Abendblatts und Mutter von zwei kleinen Kindern – wie hat sich Ihr Alltag durch die Corona-Krise verändert?

Mein Alltag hat sich hauptsächlich dadurch verändert, dass fast alles in meinem Leben zu Hause stattfindet. Der Hashtag #homeverything drückt das ganz gut aus – neben dem eigentlichen Familienleben und dem Arbeitsalltag kommt auf einmal auch die zusätzliche Betreuung der Kinder hinzu, die sonst in der Kita oder der Schule übernommen wurde. Alles läuft zu Hause zusammen – das führt häufig dazu, dass man nicht immer so konsequent zeitlich an einem Stück arbeiten kann. Wenn ich am Laptop sitze, muss ich zwischendurch öfter mal aufstehen und nachgucken, warum gerade jemand von den beiden nach mir ruft. Als Elternteil muss man neben der Arbeit eben noch zusätzlich jemanden versorgen – das ist wirklich die größte Herausforderung.

Hinzu kommt, dass mein Sohn Tim durch einen Hirnschaden eine Behinderung hat und täglich gepflegt werden muss: Jeden Morgen bekommt er Physiotherapie, damit sein Körper mobilisiert wird und er sich besser bewegen kann. Wenn ich mich morgens an meinen Schreibtisch setze, haben mein Mann und ich eigentlich schon zwei Stunden gearbeitet, weil wir die Kinder versorgt und für den Tag startklar gemacht haben.

Ihr Sohn geht noch in den Kindergarten und Ihre Tochter ist gerade in die Grundschule gekommen – konnten sie während der Corona-Zeit zwischenzeitlich betreut werden?

Meine Tochter wurde 2020 unter Corona-Bedingungen eingeschult und konnte zwischenzeitlich in den Präsenzunterricht. Dann wurden im Laufe des Jahres die Schulen wieder geschlossen und aktuell gibt es das Angebot des Wechselunterrichts.

Tim hätte durch seine Behinderung Anspruch auf Notbetreuung in der Kita. Aus Vorsicht vor einer Ansteckung mit einer Corona-Mutation bleibt er aktuell zu Hause. Die Gefahren der Langzeitfolgen sind für ihn als Risikopatient einfach zu groß und nicht abschätzbar. Um ihn besser schützen zu können, bleibt unsere Tochter auch im Homeschooling. Ich hoffe, dass sich die Impf-Lage für Kinder bald bessert. Wir entscheiden im Moment gemeinsam mit Tims Kinderärzten und Neurologinnen von Woche zu Woche, wie wir mit der Situation umgehen.

Was dadurch definitiv bei uns gewachsen ist, ist der Respekt vor der Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern. Wenn man am Ende des Tages müde ins Bett fällt, weiß man, welchen Löwenanteil Betreuende in unserem Alltag übernehmen. Besonders im Bereich der Inklusion, wie es bei meinem Sohn der Fall ist.

Wie sieht aktuell Ihr Alltag im #homeverything aus?

Nachdem ich die Kinder für den Tag fertig gemacht habe und Tim seine Physiotherapie bekommen hat, versuche ich vormittags so viel wie möglich für die Arbeit zu organisieren und mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen vom Hamburger Abendblatt abzusprechen. Bei der Zeitung nimmt die Arbeit meistens im Nachmittags- und Abendbereich dann nochmal Fahrt auf. Zum Glück habe ich ein großartiges Team, mit dem die Abstimmungen und das Verteilen von Aufgaben wunderbar funktioniert. In der Mittagszeit wird dann für die Familie gekocht – das übernimmt auch häufig mein Mann. Wir versuchen uns die Betreuung unserer Kinder so gut wie möglich aufzuteilen. Oft arbeite ich dann noch abends ein paar Stunden, wenn die Kinder im Bett liegen und schlafen. Einen längeren Text konzentriert zu schreiben, das geht tagsüber im Grunde kaum.

Das klingt nach einem ziemlichen großen Spagat zwischen Arbeit und Familie….

Auf jeden Fall! Oft denkt man sich, der Tag hat zu wenig Stunden. Man verabschiedet sich auch relativ schnell von der Vorstellung, dass beide Bereiche wirklich konsequent voneinander getrennt werden können. Manchmal sitzt mein Sohn oder meine Tochter bei der Arbeit neben mir. Wenn ich wichtige Konferenzen habe, überlege ich mir kleine Spiele oder Beschäftigungen für sie, damit sie abgelenkt sind. Ich versuche auch gar nicht mehr den Überblick hier im Haushalt zu bewahren - ich nehme es so, wie es ist, aufgeräumt wird nach der Pandemie.

Aber trotz aller Herausforderungen bin ich von ganz tollen Menschen umgeben - privat sowie auf der Arbeit. Wie im Sport ist hier der Team-Gedanke ganz wichtig. Gemeinsam schaut man auf den Tag und guckt, wie er gemeistert werden kann. Die Corona-Pandemie ist ja im Grunde für uns alle ein Ausnahmezustand.

Bekommen Sie neben Ihrer Familie auch Unterstützung durch Ihre Kolleginnen und Kollegen?

Ich bin in meinem Ressort die einzige Frau, dabei aber von sehr coolen Männern umgeben, die uns unterstützen, wo es nur geht. Vergangenes Jahr, direkt zum Beginn der Pandemie, musste mein Sohn an der Hüfte operiert werden und anschließend sechs Wochen lang Tag und Nacht liegen. Ich durfte in dieser Zeit von zu Hause arbeiten und konnte Tim so besser pflegen. Damals habe ich sehr viel Rückendeckung von meinem Chef bekommen und konnte hochflexibel arbeiten. Das Schönste ist, dass ich mich in schwierigen Situationen nicht erklären muss. Meine Kollegen haben teilweise selbst Familien und es ist kein Problem, wenn bei einer Video-Konferenz zwischendurch mal ein Kind durch das Bild läuft. In unserem Team gibt es dafür viel Verständnis und einen offenen Umgang.

Foto: Mark Sandten / Hamburger Abendblatt

Foto: Mark Sandten / Hamburger Abendblatt

Als pflegende Angehörige wurden Sie vor ein paar Tagen gegen das Coronavirus geimpft – nimmt Ihnen das ein bisschen die Sorgen?

Es ist auf jeden Fall eine Erleichterung. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, dass, wenn ich mich mit dem Coronavirus infiziere, als Pflegekraft ausfalle. Noch schlimmer wäre es gewesen, wenn ich zusätzlich meinen Mann angesteckt hätte. Leider besteht trotz der Impfung immer noch ein Restrisiko, das Virus auf andere Personen zu übertragen. Daher kann ich erst so richtig beruhigt schlafen, wenn es einen Impfstoff für Kinder gibt.

Zum Schluss noch die Frage: Was hilft Ihnen trotz der Corona-Situation und der doppelten Belastung im Homeoffice durchzuhalten? Wie können Sie vom „Homeverything-Wahnsinn“ abschalten?

Wir wohnen im Süden von Hamburg, an der Grenze zum Alten Land, in der Nähe eines riesigen Obstbau-Gebiets. Wann immer es möglich ist, ziehe ich mir die Joggingschuhe an und laufe durch die Obstwiesen. Das Joggen ist ein guter Ausgleich zum Alltag, bei dem ich mal nur für mich sein kann.