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Auf Zeche Zollverein diskutieren mehr als 130 Chefredakteure und Medienschaffende / Veranstaltung zum 70. Geburtstag der FUNKE-Regionalzeitung

„Lokaljournalismus: Wie die Zukunft gelingt“: WAZ veranstaltet hochkarätig besetztes Symposium

ESSEN, 09.11.2018. Markige Worte auf dem WAZ-Symposium zum Thema „Lokaljournalismus: Wie die Zukunft gelingt“ gab es gestern: Ein „großer Fehler“ sei es gewesen, online den großen Reichweiten nachzujagen, sagte Øyulf Hjertenes, Chefredakteur der norwegischen Regionalzeitung Bergens Tidende. Erst mit der Fokussierung auf lokale Inhalte kam der Erfolg für die bezahlten Online-Angebote seiner Redaktion. Der Norweger gehörte zu den mehr als 130 Gästen und rund zehn Speakern, die gestern der Einladung von WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock gefolgt waren. Sie diskutierten darüber, welche Möglichkeiten sich im digitalen Zeitalter für die Zeitungsbranche ergeben und wie der Wandel zu einem modernen Lokaljournalismus gelingen kann.

 

„Dies ist keine Veranstaltung, in der wir auf sieben Jahrzehnte zurückblicken wollen“, betonte WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock zum Auftakt. Es gehe darum, Perspektiven aufzuzeigen und in die Zukunft des Regionaljournalismus zu schauen. Das Symposium auf der Zeche Zollverein fand anlässlich des 70. Geburtstages der WAZ statt.

Unter den Gästen waren dutzende Chefredakteurinnen und Chefredakteure von Regionalmedien aus ganz Deutschland, Volontäre und Publizistik-Studenten, aber auch Medienschaffende aus Verlagswesen und Wissenschaft.

Hier die Höhepunkte des Symposiums im Überblick

  • In seinem Impulsvortrag betonte Prof. Dr. Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen die geänderte Rolle des Verhältnisses von Publizisten und Lesern durch soziale Medien. „Jeder kann mitmachen. Jeder ist heute ein Sender.“ Er forderte vor dem Hintergrund der Fake-News-Diskussion eine strengere Kontrolle der „Netz-Monopolisten unserer Tage“. Sie müssten zu deutlich mehr Transparenz gezwungen werde. „Wer sich über die Berichterstattung seiner Zeitung beschweren will, kann dort einfach anrufen. Versuchen Sie das mal bei Facebook, Twitter, Google und Co.“ Bernhard Pörksen warnte, journalistische Tugenden wie profunde Recherche und das Prinzip, erst zu prüfen und dann zu publizieren, angesichts der digitalen Schnelllebigkeit über Bord zu werfen. „Professioneller Journalismus ist heute wichtiger denn je“, sagte der Forscher.
  • In einer Podiumsdiskussion sprachen Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost, Bernhard Pörksen sowie Schalke-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies über ihre Sicht auf den „Lokaljournalismus der Zukunft“. Clemens Tönnies, als Schalke-Boss und Deutschlands größter Fleischfabrikant medienerfahren genug, betonte die „wichtige Filterfunktion“ klassischer Journalisten. „Wir müssen die Berichterstattung glaubhaft halten“, sagte er in der Diskussionsrunde. Verlage sollten auf Qualität setzen. Clemens Tönnies: „Als Unternehmer sage ich: Wer sich kaputtspart, macht sich hinterher überflüssig.“ 
  • Als ein Zukunftsprojekt aus dem Hause FUNKE stellten Alexander Marinos, stellvertretender Chefredakteur der WAZ, und Redakteurin Linda Heinrichkeit das „Projekt Bochum: Eine Offensive für die Zukunft“ als Beispiel aus der Praxis vor. „ProBo“ verzahnt besonders eng Online und Print und rückt zudem das Stadtteil-Leben in den Fokus. 
  • Zu Gast war auch Tim Jerg, Head of Global Brand bei Mast-Jägermeister. Er sprach über die Herausforderung, eine starke Marke über Jahrzehnte immer wieder neu zu erfinden.