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UPDATE 27. Dezember: Hackerangriff auf die FUNKE Mediengruppe

Update, 27. Dezember, 15 Uhr

Dutzende Kollegen haben über das Weihnachtsfest Tag und Nacht daran gearbeitet, die IT-Systeme von FUNKE wiederherzustellen, mit dem Ziel, sie nach und nach in eine neue, „saubere“ Infrastuktur zu bringen. Dies ist angesichts der zahlreichen, bundesweiten FUNKE-Standorte und potenziell über 6000 infizierten Rechnern ein komplizierter und zeitraubender Prozess, der uns allen viel abverlangt. Das gesamte FUNKE-IT-Team, die Redaktionen, Layouter der Notausgaben, Technikexperten und unterstützenden Cyber-Security-Profis erbringen in diesen Stunden eine beachtliche Leistung.

Seit dem Cyberangriff haben wir mehrere Räume in der Konzernzentrale zu einer „digitalen Waschstraße“ umfunktioniert:  Sie funktioniert wie eine Schleuse, oder ein Quarantänenetzwerk, das jedes verseuchte Gerät durchlaufen muss. Parallel dazu bauen wir an einem sicheren, neuen IT-Umfeld, um unsere journalistische und geschäftliche Arbeit neu hochzufahren.

Die meisten FUNKE-Tageszeitungen erscheinen morgen (Montag, 28.12.) schon wieder mit deutlich großzügigeren Umfängen: In NRW planen wir mit 24 Seiten (statt der 8-seitigen Notausgabe am Tag nach Angriff), an vielen anderen Standorten mit 20 Seiten. Die Paywalls unserer Online-Nachrichten bleiben als Leserservice deaktiviert.

Die Chefredaktionen aller Regionaltitel haben sich in den Ausgaben vom Montag, 28. Dezember, direkt an die Leserinnen und Leser gewandt.

Beispielhaft hier der Text von WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock:

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Journalisten schreiben normalerweise nicht in der Ich-Form. Heute möchte ich eine Ausnahme machen und mich als WAZ-Chefredakteur persönlich an Sie wenden. Wie bereits mehrfach berichtet, ist die FUNKE Mediengruppe, zu der auch die WAZ gehört, am Dienstag vergangener Woche Opfer eines schweren externen Hackerangriffs geworden. Dieser Angriff hält unvermindert hart an. Betroffen sind zahlreiche zentrale Computersysteme an allen Funke-Standorten in Deutschland. Viele Medien berichten bundesweit und schildern die ungeheure Dimension der Attacke, bei der die Täter die Daten auf den IT-Systemen verschlüsselten und vorerst unbrauchbar machten.

Die FUNKE Mediengruppe setzte nach dem Angriff sofort eine Taskforce aus Technik-Experten ein, die seitdem unter Hochdruck nach Lösungen suchen. Eingeschaltet wurden auch Staatsanwaltschaft und Datenschutz-Behörden, das Landeskriminalamt leitet die Ermittlungen. Um weitere Schäden an der Technik zu verhindern, wurden sämtliche IT-Systeme heruntergefahren.

Damit sind alle Redaktionssysteme und die gesamte Technik für die Zeitungsproduktion ausgeschaltet, ein ansatzweise normales Arbeiten ist aktuell nicht möglich. Die Zeitungsseiten werden, vielerorts im Homeoffice, quasi von Hand gebaut. Alle Texte und Überschriften werden in Telefonaten zwischen Mediengestaltern und Redaktion Wort für Wort abgestimmt, Fotos sehr aufwendig eingearbeitet. Ähnlich kompliziert verhält es sich in den Druckereien, so dass auch keine Lokalseiten veröffentlicht werden können. Dies sind, zudem in Zeiten der Corona-Pandemie, die schwierigsten Produktionsbedingungen, die die WAZ in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten erlebt. Deshalb ist es derzeit unmöglich, Ihnen die WAZ in gewohnter Qualität und gewohntem Umfang zu liefern.

Dennoch sind unsere Reporterinnen und Reporter weiterhin in den Städten und der Region unterwegs, um aktuell und umfassend zu informieren. Unter www.waz.de erhalten Sie kostenlos den Zugriff auf das komplette Online-Angebot der WAZ. Dort gibt es auch die sonst kostenpflichtigen Inhalte gratis zu lesen.

Dass angesichts dieser Situation heute überhaupt eine WAZ mit 24 Seiten gedruckt und als E-Paper veröffentlicht werden konnte, ist der herausragenden Leistung aller beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, die auch über Weihnachten intensiv im Einsatz waren und bei denen ich mich hiermit ausnahmsweise öffentlich bedanken möchte. Herzlich danken möchte ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser! Es gab fast keine Beschwerden - im Gegenteil, sehr viele von Ihnen haben sich an uns gewandt und uns den Rücken gestärt, uns Mut zugesprochen.

Wir alle hoffen, dass dieser Spuk bald vorbei ist. Bis dahin werden unsere Redaktionen und alle beteiligten Abteilungen weiterhin alles tun, um Ihnen in dieser extremen Lage die bestmögliche WAZ zu liefern. Versprochen! Und nochmals vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung!